GENRE: FOLK METAL, POWER METAL, PIRATE METAL
Zum ersten Mal legt ALESTORM in Sulingen an – und das dürfte für alle, die Folk-, Power- und Extreme-Metal im Piratengewand schätzen, ein längst überfälliger Landgang sein. Die schottische Crew hat sich seit Mitte der 2000er vom schrägen Szene-Insider zu einer festen Größe entwickelt, ohne dabei jemals den Humor über Bord zu werfen. Wer hier ausschließlich Party-Metal vermutet, unterschätzt die Mischung aus wuchtigen Riffs, folkigen Hooklines und einer thematischen Konsequenz, die irgendwo zwischen Seeabenteuer, Seemannsgarn und Selbstironie verankert ist.
Musikalisch navigiert ALESTORM souverän durch Sturm und Flaute: Von hymnischen Refrains, die ohne Vorwarnung in blastartige Turbulenzen kippen können, bis zu tanzbaren, fast schon absichtlich überzogenen Melodien. Das Piraten-Label dient dabei weniger als Kostüm, sondern als ästhetisches Spielfeld – mal brachial, mal absurd. Dass die Band sich und das Genre dabei regelmäßig augenzwinkernd dekonstruiert, macht ihren Status im Metal-Kosmos eher stabiler als fragiler.
Live gilt: Wer Ruhe sucht, sollte das Deck meiden. ALESTORM-Shows gleichen einer bewegten Seefahrt zwischen Crowdsurfern, kollektivem Grölen und überraschend präziser Spielfreude. Keytar-Salven, Rum-Choräle und ein Publikum, das sich ohne Aufforderung in die richtige Richtung treiben lässt, gehören zur Grundausstattung. Außerdem gibt es Festival-Energie mit salziger Gischt und der nötigen Selbstironie, die wir 2026 im Reload Line-Up nicht missen möchten.
Kurz gesagt: ALESTORM kommen nicht, um höflich anzuklopfen. Sie brechen die Tür auf, werfen ein Fass über Bord und bringen eine Show mit, die im Gedächtnis bleibt – ob man will oder nicht. Sulingen, macht die Planken klar.
